Lauftherapie - Ziele, Methoden und Wirkungen

Die Lauftherapie ist ein unspezifischer Weg zur Prophylaxe und Behandlung von Beeinträchtigungen im physischen und psychischen Bereich. Sie wirkt in einem ganzheitlich verstandenen Sinn auf Physis und Psyche. Es kommen daher sowohl Prinzipien der Trainings- und Bewegungswissenschaften als auch pädagogische und psychologische Prinzipien und Methoden zum Tragen.

Das übergeordnete Ziel der Lauftherapie ist salutogenetisch.
Es soll Gesunderhaltungsprozesse unterstützen und fördern. Der Wiedereintritt von Krankheiten, Folgekrankheiten und Chronifizierungen von Krankheiten soll vermieden werden. Erreicht wird dies durch eine Kombination aus sportlicher Betätigung und psychologischer und pädagogischer Unterstützungen und Anleitung.

Besonders bewährt hat sich die Lauftherapie zur Unterstützung von Nikotin- und Alkoholentwöhnung Bei häufigen Stimmungsschwankungen und leichten Depressionen wirkt die Lauftherapie emotional und psychisch stabilisierend. Auch bei Migräne und häufigen Kopfscherzen wird durch die Lauftherapie eine spürbare Verbesserung erreicht. Übergeordnetes Ziel der Lauftherapie ist die Stärkung und Verbesserung des gesundheitlichen Status und die Aktivierung von Widerstandsressourcen zur positiven Bewältigung von Stresssituationen.

Lauftherapie kann sowohl mit Einzelpersonen als auch in Gruppen durchgeführt werden. Voraussetzung ist immer ein ausführliches, personenbezogenes Eingangsgespräch zur Erarbeitung des laufbegleitenden Programms.
Neben dem Eingangsgespräch werden verschiedene Fitness- und Gesundheitsbezogene Parameter (allgemeine Fitness nach Dr. med. K .Cooper, Ruhepuls, Blutdruck, Beweglichkeit) bestimmt.
Zur Selbstüberprüfung des Teilnehmers dienen verschiedene Fragebögen die mit Beginn und Ende der Lauftherapie ausgehändigt werden.
In bestimmten Fällen wird die Lauftherapie interdisziplinär mit weiteren Fachleuten (Ärzten, Ökotrophologen; Psychologen) durchgeführt.

Entsprechend der indikationsspezifischen Voraussetzungen der Klienten erfolgt die Dosierung der Belastung auf der Basis einer individuellen Bewertung sowie auf einer daraus abgeleiteten angemessenen Belastungsvorgabe. Dementsprechend werden Zielsetzungen für die jeweilige Trainingsgruppe als auch für den jeweiligen Klienten festgelegt. Durch das in der Gruppe stattfindende Training erfüllt die Lauftherapie das Ziel, die Klienten an Eigenkontrolle und Selbstverantwortung heranzuführen, in besonderem Maße. Vor dem salutogenen Hintergrund dieser Effekte wird dem Klienten selbsterlebt vermittelt:

Soziale Unterstützung

Kontrollerfahrung

Selbstwirksamkeitserfahrung

Das Bewusstsein, an der gesunden Lebensführung mit zu wirken


Das lauftherapeutische Programm führt zu einer strukturellen und funktionellen Anpassung des biologischen Systems. Dabei wird das Training den jeweils unterschiedlichen Indikationen angepasst und durch Übungen zur Dehnung, Balance und Kräftigung ergänzt.

Durch die vermittelten Erkenntnisse und Einstellungen ergeben sich langfristige mehrdimensionale Wirkungen auf motorischer, kognitiver und affektiver Ebene. Dabei werden primär folgende Aspekte integriert:

Handlungsebene

Das Hauptaugenmerk liegt auf dem gesundheitsorientierten Ausdauertraining (aerobe Ausdauerleistungsfähigkeit). Erlernt und geübt werden auch Beanspruchungsformen der Flexibilität (Gelenkigkeit) und Koordination, ergänzt durch vorsichtig dosierte Kräftigungsübungen (submaximales Krafttraining).

Wissensebene

Vermittlung von Kenntnissen und Wissen als Grundlage einer selbstständigen und langfristigen gesundheitsbezogenen Handlungs- und Sozialkompetenz (Eigenverantwortlichkeit).

Emotionsebene

Langfristiges Motivieren sich regelmäßig zu bewegen, um einen aktiven und gesunden Lebensstil zu erreichen. Das moderate Ausdauertraining der Lauftherapie mit niedriger bis mittlerer Intensität hat einen hohen Einfluss auf gesundheitswirksame Parameter wie im Kapitel Laufkurse näher beschrieben.

Die komplexe Intervention macht eine spezifische Qualifikation des Lauftherapeuten erforderlich. Diese baut auf einer abgeschlossenen Berufsausbildung in einem psychosozialen Beruf, einem universitären Studium oder vergleichbaren Abschlüssen in Verbindung mit einer postgradualen Weiterbildung, z.B. Lauftherapeut (DLZ-Diplom), und einer regelmäßigen Laufpraxis, sowie persönlicher Eignung auf.

Die Zulassung zur Aus- und Weiterbildung als Lauftherapeut ist entsprechend restriktiv geregelt.


Die Ausbildung


Die Ausbildung zum Lauftherapeuten wird am Deutschen Lauftherapiezentrum e.V. in Bad Lippspringe durchgeführt. Voraussetzung zur Zulassung ist unter anderem eine mehrjährige Erfahrung als Läufer. Die Ausbildung geht über eineinhalb Jahre, umfasst insgesamt 245 Stunden Unterricht und beinhaltet folgende Fächer:

  • Physiotherapie
  • Orthopädie
  • Physiologie
  • Psychologie
  • Ernährung
  • Theorie und Geschichte der Lauftherapie
  • Laufausrüstung
  • Kommunikation
  • Pädagogik
  • Gruppendynamik
  • Trainingslehre
  • Organisation und Durchführung von Lauftherapiekursen


Der Lehrgang schließt mit einer mehrtägigen, mündlichen Prüfung ab. Außerdem muss eine schriftliche Diplomarbeit vorgelegt werden, die als Projektarbeit gewünscht wird. Nach erfolgreicher Prüfung wird der Titel „Lauftherapeut (DLZ-Diplom)“ verliehen.

Die Ausbildung wird von Prof. Dr. Alexander Weber von der Gesamthochschule Paderborn geleitet und nach streng wissenschaftlichen Maßstäben durchgeführt. Das Dozententeam setzt sich entweder aus freiberuflich oder wissenschaftlich an entsprechenden Institutionen arbeitenden Dozenten zusammen.



 

Bei Interesse an der Lauftherapie setzen Sie sich bitte mit mir in Verbindung!